Ich bin jetzt Freifunker

Community finden › freifunk.net - Mozilla Firefox 2015-12-23 11.39.52Schon als Kind habe ich davon geträumt, Computer miteinander zu vernetzen und darüber Daten auszutauschen. Damals stecke das Internet noch in den Kinderschuhen und das coolste war, sich per Modem in eine Mailbox einzuwählen. Dort hatte ich dann gerne nach Gegnern für eine Partie Doom oder Duke Nukem gesucht. Wenn jemand Lust zum spielen hatte, tauschte man die Telefonnummern und stellte eine Modemverbindung untereinander her. Dabei war natürlich immer auf den Gebührenzähler zu achten und ja keine Nummer zu wählen, die weiter weg ist, da diese teurer waren. Natürlich führten diese Aktivitäten zu der ein oder anderen Diskussion über die Telefonrechnung mit meinen Eltern…

Parallel dazu, hatte ich damals eine 5m lange Antenne auf dem Dach und konnte mich per Packet Radio mit anderen gleichgesinnten austauschen. Am spannensten fand ich dabei die Möglichkeit, sich über andere Stationen verstärken zu lassen. Dazu verband man sich zu einer Station innerhalb der eigenen Reichweite und ließ sich dort eine Liste aller Stationen in deren Reichweite geben. Anschließend konnte man sich zu diesen weiterverbinden. Aufgrund der geringen Bandbreite, der Simplexverbindung, des Teilens der Airtime und des sehr langsamen Umschalten zwischen Senden und Empfangen, war dieses System zur Datenübertragung (1200Baud) sehr schlecht geeignet, so dass mehr als chatten nicht möglich war.

Tja, und wo stehen wir heute? Heute gibt es dank DSL und Co. in fast jedem Haushalt einen Internetzugang, über den wir beliebige Informationen weltweit austauschen können. Mailboxen, Telefonmodems und insbesondere Packet Radio sind inzwischen in Vergessenheit geraten. Fast jeder trägt ein Smartphone mit sich rum und könnte (auch) per WLAN ins Internet gehen, wenn es einen freien Internetzugang geben würde. Leider mangelt es an diesen freien Zugängen in Deutschland gewaltig, da es bei uns die sogenannte Störerhaftung gibt. Dank dieses Gesetzes ist kaum jemand bereit, seinen Internetzugang freizugeben, da er in der Verwantwortung ist, wenn jemand anderes darüber Blödsinn im Internet veranstaltet. Aus diesem Grund sind die meisten Menschen unterwegs auf ihren mobilen Datentarif angewiesen, welcher meist sehr begrenzt und teuer ist.

Inzwischen gibt es aber viele engagierte Menschen, die beim sogenannten Freifunk mitmachen. Die Störerhaftung wird dabei über den Verein abgewickelt, so dass Anfragen bei Missbrauchs eines Internetzugangs nicht mehr beim Besitzer des Internetanschlusses landen. Der Freifunkverein gliedert sich in lokale Communities, wobei Gressenich zum   Freifunk Regio Aachen gehört.

Meine Wurzeln aus der Packet Radio Zeit, die Befreiung von der Störerhaftung und der Umstand, dass sich Freifunkstationen untereinander vernetzen können (wie beim Packet Radio) haben dazu geführt, dass ich mich mit Freifunk nun intensiver beschäftigt habe und bei mir im Ort einige Freifunkaccesspoints bei interessierten Menschen aufstellen konnte.

Bild 1: Freifunk Zugangspunkte in Gressenich

Besonders gefreut habe ich mich darüber, der Truppe unserer freiwilligen Feuerwache,  zu einem Internetzugang in Ihrer Feuerwache zu verhelfen. Diese Verbindung über 267m (grüne Linie im Bild 1) kommt nur zustande, weil die Antennen auf den Dächern stehen und eine freie Sichtverbindung zwischen den Gebäuden besteht. Technisch wird also mein Internetzugang weitergereicht.

Bild 2: WLAN-Verbindung Feuerwache – Bergerhof

Bild 3: WLAN-Verbindung Bergerhof – Feuerwache

Ich würde mich freuen, wenn sich weitere Menschen in Gressenich finden würden, die an einem Ausbau des Freifunknetzwerkes interessiert sind. Insgesamt gibt es schon über 1000 Zugangspunkte in der Städteregion Aachen.